Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche!

Gedenken an ermordete Zwangsarbeiter


Rede des Genossen Holger, der DKP Solingen auf der Gedenkveranstaltung am 12.11.2017 zum Gedenken an die in Solingen ermordeten sowjetischen und polnischen Zwangsarbeiter*innen:

Liebe Genossinnen und Genossen,

liebe Freundinnen und Freunde.

Vor einigen Tagen jährte sich zum hundertsten Mal der Jahrestag der sozialistischen Oktoberrevolution in Russland. Ein Ereignis, dass die Geschichte der Menschheit in den letzten hundert Jahren entscheidend prägte. Das Volk hatte sein Schicksal selbst in die Hand genommen, beseitigte die Leibeigenschaft und überwand Arbeitslosigkeit, Elend, Analphabetismus und die Unterdrückung durch Zar und Kapital.

Der vom deutschen Faschismus entfesselte Weltkrieg hatte seine Hauptstoßrichtung nach Osten, mit dem Ziel die sozialistische Ordnung in der Sowjetunion zu zerstören.

Im Deutschland befanden sich in der Zeit zwischen 1939 und der Befreiung vom Faschismus 1945 insgesamt über 10 Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. In Solingen mussten während des gesamten zweiten Weltkrieges 16.000 Menschen Zwangsarbeit leisten. Mehr als die Hälfte der Zwangsarbeiter in ganz Deutschland wie auch in Solingen kamen aus der Sowjetunion.

Unter großen Opfer des sowjetischen Volkes und der Anti Hitler Koalition konnte der Faschismus besiegt werden. Wir stehen hier wie jedes Jahr um die Zwangsarbeiter die fern ihrer Heimat, in Solingen den Tod gefunden haben zu Ehren und Ihrer zu Gedenken.

Die meisten der sowjetischen Zwangsarbeiter wurden von der faschistischen deutschen Armee aus ihren Dörfern und Städten entführt und in Viehwagons nach Deutschland gebracht. Oft wurden sie wie auf einem Sklavenmarkt an örtliche Unternehmer und Bauern verkauft. In Solingen mussten Sie in fast 500 Betrieben schwerste Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen verrichten. Die Firmen Rautenbach, Kronprinz, die Stadtverwaltung Solingen und die Zwillingswerk KG waren die vier größten Abnehmer von Zwangsarbeitern in Solingen. Die Zwangsarbeiter hausten unter den erbärmlichsten Bedingungen in Baracken, die Ernährung war katastrophal, die Frauen und Männer die Schwerstarbeit leisteten mussten Hunger leiden. Ein bisschen Rübensuppe und 200g Brot war die Tagesration. Es gab Misshandlungen Hass und Diskriminierungen gegenüber den Fremden. Die einheimische Bevölkerung konnte nur unter Strafandrohung helfen. Es war den Zwangsarbeitern auch verboten sich bei Bombenangriffen in den Schutzkellern in Sicherheit zu bringen.

Über die Gewinne und Verluste Solinger Unternehmen die Zwangsarbeiter beschäftigten gibt es wenige Zahlen. Ein Fall ist bekannt, die Firma Kieserling und Albrecht hatte im Jahr 1939 ein Gewinn von 870.000 RM. Über 900.000 RM im Jahre 1942, 2 Millionen RM im Jahre 1943 steigert sich der Gewinn der auch aus der Ausbeutung von Zwangsarbeitern möglich wurde auf 2,5 Millionen im Jahre 1944.

Heute sehen wir uns einem Erstarken der rechtsextremen und faschistischen Ideologie ausgesetzt. Eine Erhebung der Amadeu Antonio Stiftung, die sich auf Opfer-Chroniken von Journalisten, Forschungsinstituten und zivilgesellschaftlichen Organisationen stützt, zählt mindestens 178 Todesfälle durch rechtsextreme Gewalt seit dem Wendejahr. In vielen Kommunal- und Landesparlamenten sowie im Bundestag sitzen Vertreter einer mit Nationalkonservativen und offenen Neofaschisten durchsetze Partei.

Alexander Gauland Stellvertretender Vorsitzender der AfD und einer derer Fraktionsvorsitzenden im Bundestag darf ohne großen Aufschrei der Öffentlichkeit sagen:  "haben wir das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".

Er meint damit die deutschen Soldaten die andere Länder überfallen, mordend und marodierend durch Europa zogen und die Zwangsarbeiter an deren Gedenkstein wir hier heute stehen verschleppt haben.

Wir Kommunistinnen und Kommunisten haben aus der Geschichte der Entstehung des Faschismus gelernt:

Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die breiteste Einheitsfront hergestellt wird durch gemeinsame Aktionen der Arbeiterorganisationen der verschiedensten Richtungen zum Schutz der gemeinsamen Lebensinteressen der abhängig Beschäftigten.

Das bedeutet erstens den gemeinsamen Kampf für die wirkliche Abwälzung der Folgen der Krise auf die Schultern der herrschenden Klasse also auf die Schultern des Kapitals.

Zweitens der gemeinsame Kampf gegen alle Formen des Faschismus und des Abbaus demokratischer Rechte.

Drittens der gemeinsame Kampf gegen alle Formen der Kriegsvorbereitungen und der imperialistischen Kriege in der Welt.

Was müssen wir tun, uns was tun wir in Solingen bereits?

Wir müssen immer dazu beitragen, dass die breitesten Bündnisse – das heißt alle dem Monopalkapital objektiv gegenüberstehenden Kräfte – im Kampf gegen den Faschismus zusammen finden. Unsere einzige Bedingung an Bündnispartner ist, dass sie gegen den Faschismus sind.

Wir sind im Bündnis „Solingen ist bunt satt braun“ aktiv und unterstützen das Solinger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage. Das ist der richtige Weg.

Lasst uns alle aktiv an den Vorbereitungen und den Aktivitäten zum 25ten Jahrestages des Brandanschlages von Solingen teilnehmen, um die Solingerinnen und Solinger über die Ursachen von Krieg und Faschismus aufzuklären und zum Widerstand zu ermutigen!

Nie wieder Faschismus nie wieder Krieg!